Il est
crée un Land - Es wird
hiermit ein Land gegründet. So verfügte es die Ordonnance
Nr. 57 des Generals Pierre Koenig vom 30. August 1946.
Das politische Gebilde
Rheinland-Pfalz entstand damit durch mehr oder weniger willkürliche
Grenzbildung und Gebietszuteilung aus der bayerischen Pfalz, dem
linksrheinischen Teil Hessens und dem rechtsrheinischen Teil der französischen
Zone in der preußischen Provinz Hessen-Nassau.

Rheinhessisches Hügelland bei Alzey
Beim Gefeilsche nach dem
Wiener Kongreß 1816 mußte
Großherzog Ludwig I. von Hessen für anderweitige Gebietsverluste entschädigt
werden. So fiel ihm die linksrheinische Provinz zu und er nannte sie
Rheinhessen.
Dieser Landesteil läßt sich geographisch sehr einfach einmarken.
Es ist das nahezu waldlose Land im großen Rheinbogen, im Städtedreieck Bingen -
Mainz - Worms, Städte mit eminenter geschichtlicher Bedeutung. Ergänzend seien
Alzey und Ingelheim genannt, die bereits im Mittelalter hohen Stellenwert besaßen.
Während bei Bingen
bereits das Rheinisch-Westfälische Schiefergebirge seine steilen Hänge
ausbildet, ist die Landschaft entlang der Autobahn zwischen Bingen und Mainz
eher flach und von Kalkböden geprägt. Im östlichen Teil - Rheinterrasse genannt
- begleiten die bekanntesten Orte Nackenheim, Nierstein,
Oppenheim sehr markant Hänge aus rotem Tonschiefer - das Rotliegende.
Südlich von Oppenheim wechselt der Boden zu Löß (in Jahrmillionen angewehter,
verdichteter Gesteinsstaub). Im Innenland, dem sogenannten
Rheinhessischen Hügelland, herrscht Letten vor, aus Urzeiten stammender
Schlick, als die Gegend noch ein Binnenmeer mit Austern, Seekühen und
Haifischen war. Der Süden heißt Wonnegau und besteht aus fruchtbaren
Schwemmböden.
So wird verständlich, daß sich hier das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet
Deutschlands entwickelte, aus - alle Funde weisen darauf hin - der ältestesten Weinprovinz in Deutschland. Denn als römische
Truppen 100 v.Chr. am Zusammenfluß
von Rhein und Main das Lager Moguntiacum (das heutige
Mainz) gründeten, fanden sie dort bereits Reben vor.

Rheinhessisches
Hügelland bei Mainz
Die Menschen, die hier
beheimatet sind, hat niemand treffender charakterisiert als der Dichter Carl
Zuckmayer, der 1896 in Nackenheim geboren wurde und in Mainz aufwuchs. Der
Schriftsteller beschreibt sie in seinem Welterfolg „Des Teufels General“:
„ Vom Rhein - Von der großen Völkermühle. Von
der Kelter Europas !
Und jetzt stellen Sie
sich doch einmal Ihre Ahnenreihe vor - seit Christi Geburt. Da war ein
römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie `ne reife Olive, der hat
einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer
Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der
Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. - Und
dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein
Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein
desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein
wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker
Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein
französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant - das alles hat am Rhein
gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt - und - und der
Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven, und der Gutenberg und
der Mathias Grünewald, und - ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die
Besten, mein Lieber ! Die Besten der Welt ! Und warum
? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt - wie die Wasser aus
Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein - das heißt: vom Abendland.“
Es wundert also nicht, daß die Sprache der Rheinhessen
mit Wörtern, Wortstämmen und Wortschöpfungen vorwiegend aus der französischen
und jiddisch-hebräischen Sprache angereichert ist. Sie enthält darüber hinaus
auch Vokabeln lateinischen, italienischen und slawischen Ursprungs:
Wir gehen noch heute auf
dem Trottwar (franz. trottoir),
dem Bürgersteig; haben unser Geld im Portmonee (franz. portmonais),
der Geldbörse und fordern unsere Bekannten zum Handeln durch ein liebevolles
alla (franz. allez) auf.
Ist jemand ein bisschen
durcheinander oder verrückt, dann ist er meschugge (jidd.);
haben wir vor etwas respektvolle Furcht, haben wir Eeme
(jidd.) und butze die Platt
(jidd. palot = fliehen; hebr. puz = sich zerstreuen) -
wir verschwinden. Beschummele (jidd. = übervorteilen)
lassen wir uns nicht gern, denn jemand hinters Licht führen ist schofel (jidd. = unredlich).
Wenn der Winzer (vinitor = Weinleser) die Trauben in der Butt (buttis = Faß) zur Kelter (calcare = mit den Füßen treten) bringt, können diese über
den Most (mustum = junger Wein) zu gutem Wein (vinum) werden.
Wenn die Frau eines
Winzers statt „em Gude, de Rambass“ (ital. rombice = Sauerampfer) „eruffholt“
(aus dem Keller holt), dann wird sie „e doll Dunsel“,
eine dümmliche Frau (ital. donzella)
gescholten.
Meinen wir schief, sagen
wir schebb (elsässisch, badisch) und wird etwas
verschleiert, daß das ursprüngliche nicht mehr
erkennbar ist, wird´s vermembelt
(elsässisch, lothringisch).
Unbelastet vom Gepräge
eines einzelnen Volksstammes und durch ihre Ahnenreihe zur Offenheit gegenüber
Anderen über Jahrhunderte angehalten, sind die Rheinhessen wohl die ersten
wahren Europäer.
Mehr über das lebendige Rheinhessen
erfahren Sie auf einer eigenen Website.